"Alpen-Stampa"

Eine Familie als Grenzfall. Die Überwindung der Alpen von Süden nach Norden.

Geschichte der "Alpen-Stampa". Eine Familie als Grenzfall, politisch und wirtschaftlich bedeutend in Chiavenna und in Graubünden.

Mitglieder

  • bruno Ritter
  • Lorenz H.R. Stampa

Die "Alpen-Stampa"

Die "Alpen-Stampa" lebten und arbeiteten diesseits und jenseits der Grenze am Luver bei Castasegna / Villa di Chiavenna , die den Gottteshausbund und die Grafschaft Chiavenna trennte. Sie waren Politiker, Handelsleute, dienten in fremden Heeren. Sie waren Transportunternehmer für den Verkehr von Süden nach Norden über die Alpen. Die Pässe, der Septimer, der Maloja und der Julier prägten sie.

Sie waren beteiligt an der Gründung des Gotteshausbundes (Bundesbrief /Gründungsurkunde 1367 in Chur, mitunterzeichnet von Hans von Stampa) einer der drei Bünde, welche die Republik der drei Bünde bildeten. Damit wurden diese Stampa Bergeller Stampa und damit zu Bündnern. Mit dem Beitritt der Bündner zur Eidgenossenschaft (1815) wurden sie zu Schweizern.

Die Stampa in Chiavenna und im Bergell sind geprägt durch die Alpen und die Pässe
Warum liessen sich die Stampa, die aus Gravedona am Lago di Como kamen, im Bergell, diesem kargen Gebirgstal, nieder?

Ein Grund war Chiavenna, eine lebendige und dynamische Stadt. Chiavenna wurde auch zu einem Zentrum der Alpen Stampa

Politische Kämpfe zwischen Ghibellinen und Welfen führten dazu, dass sich Angehörige der Ghibellinen aus Gravedona (z.B. aus den Familien der Pestalozzi und der Stampa) nach Chiavenna absetzten, der Stadt am Südfuss der Alpen. Chiavenna war aber auch Zentrum des Handels zwischen Norden und Süden. So finden wir die Stampa vom 13. und 20.Jahrhundert in Chiavenna. Die Stadt am Südfuss der Alpen war seit den Zeiten der Römer ein wichtiges Zentrum für den Warenverkehr und Reiseverkehr durch das Bergell und über die Alpenpässe (Septimer, Maloja, Splügen).

Chiavenna war wirtschaftlich stark und prosperierend, dank auch der Zusammenarbeit einiger einheimischer Familien mit den Bündnern, besonders den Salis.

Was unterscheidet die Stampa von andern Familien, die aus dem Süden kamen und sich im Norden niederliessen?

Sie gehören, anders als die Salis auch zu den einheimischen Familien in Chiavenna. Sie engagierten sich aktiv in den politischen Ämtern der Stadt.

Sie gehören dabei mit den Pestalozzis, die ebenfalls aus Gravedona stammten, zu den wichtigen Familien.

Das Bergell war als Bergtal Zugang zum Norden nach Chur, von da nach Zürich oder ab Maienfeld über den Luziensteig zum Bodensee (Bregenz, Lindau). Dass sich die Stampa im Bergell, zwischen den Handelstädten Chur und Chiavenna niederliessen, hatte mit Arbeit und Verdienst zu tun.

Das Bergell war seit der Zeit der Römer ein wichtiges Transittal nach Norden. Der Handel und das sich daraus ergebende Engagement für die Sicherstellung der Strassen führte dazu, dass Angehörige der Familien Stampa im Bergell lebten und arbeiteten, sich mit dem Bergell, seiner Geschichte und Zukunft identifizierten und für das Tal engagierten.
Seit dem Ende des 13.Jahrhunderts (1288, 1292) finden sich Stampa als Notare im Bergell, bald übernahmen sie wichtige Talämter

Bedeutungsverlust der Bergeller Pässe
Der Transport über diese Pässe verlor Ende des 16.Jahrhunderts, weil sich Mailand eher auf den Gotthard (katholische Innerschweiz) ausrichtete, und später durch den dreissigjährigen Krieg an Bedeutung. Zudem wurde der Splügen besser ausgebaut und war günstiger. Das traf wirtschaftlich die Bergeller und auch die Stampa, die zu den wichtigen Verantwortlichen für den Verkehr zählten.

 

Die Geschichte der Stampa

Willkommen auf der Webseite "Alpen-Stampa".

Sie ist ein "work in progress". Sie entsteht im Laufe der Arbeit an der Geschichte der Stampa. Die Texte ändern sich darum im Laufe der Zeit. Sie werden inhaltlich erweitert und sprachlich korrigiert. Dabei interessiert besonders das 15. und 16.Jahrhundert, Blütezeit der "Alpen-Stampa". Dazu wird die Struktur des "Social Network" "Ning" benutzt.

Unter "Streiflichter" ("groups")werden bestimmte Aspekte im Detail behandelt. Hier finden sich auch entsprechende Hinweise auf Quellen, Bücher, Artikel. Die "Hauptseite" versucht, die Ergebnisse zusammenzufassen.

Die Videos und Songs haben nicht direkt mit der Geschichte des Bergells zu tun, sie bilden eher den Hintergrund meines Nachdenkens über die Geschichte des Bergells und der "Alpen Stampa". Dabei geht es immer auch um das, was die Bergeller Familien, die an "ihrem" europäischen Durchgangspass wohnten und arbeiteten, wohl immer prägte: Einwanderung , Auswanderung. Harte Arbeit (vlg. die Installation von Roman Signer, annlässlich der Arte Bregaglia: paddeln gegen den Strom). Auseinandersetzung mit verschiedensten Kulturen.

Meine persönliche Seite erreichen Sie durch anklicken meines Bildes. Hier erfahren Sie mehr über den Hintergrund meines Arbeitens an den Stampa.
Danke für Anregungen und Korrekturen.Fragen beantworte ich gerne.
Lorenz Stampa


Die Stampa waren eine Familie diesseits und jenseits der Grenze zwischen Italien und der Republik der Drei Bünde. Eine Familie geprägt durch die Überwindung der Alpen. Eine Familie geprägt auch durch Gegensätze. Es gab die Stampa in Chiavenna und im Bergell. Bei den Bergeller Stampa im 16.Jahrhundert gab es solche auf der Seite der französischen Partei und andere auf jener der Österreicher.

Transport und Handel - Politische Tätigkeit und Kriegsdienst - Reformation im Bergell

Gravedona am Lago di Como. Herkunftsort der Stampa

Die Stampa sind seit dem 11. Jahrhundert verbunden mit der Geschichte von Mailand und Oberitalien. Im 13.Jahrhundert kamen sie von Gravedona am Lago di Como nach Chiavenna, nach Chur und ins Bergell. Es kann sein, dass die Kämpfe zwischen den Welfen und Ghibellinen in Oberitalien zur Verlagerung des Wohnortes führten. Vielleicht war der Grund ganz einfach die Arbeit im aufblühenden Handel und Transportgewerbe von Süden nach Norden auf der Achse Como - Chiavenna - Septimer - Chur. 1292 finden wir einen Stampa aus Gravedona als Notar im Bergell. Der Bischof von Chur, dem der Septimer unterstand, suchte unter Umständen auch Unterstützung für die Bewirtschaftung des Handelswegs durch sein Gebiet. Aus Gravedona liessen sich damals auch die Pestalozzi in Chiavenna nieder, aus Como kamen vermutlich die Salis ins Bergell.

Chiavenna, Chur und Bergell: Politik und Transportgeschäft

Girolamo Stampa war eine bedeutende Persönlichkeit der Stampa aus Chiavenna. Er prägte unter Napoleon und später im Vorfeld des Wienerkongresses (1815) und den dort geführten Verhandlungen, die politische Diskussion um einen neuen Status der Stadt. Diese führten schliesslich zur Unabhängigkeit der Grafschaft Chiavenna von den Bündnern.
Mit Girolamo Stampa stellt sich die Frage nach der Geschichte der Stampa, waren doch die Stampa von Graubünden aus gesehen eine Bündner, genauer eine Bergeller Familie. Im Bergell und im Gotteshausbund gehörten die Stampa, besonders vom 14. bis zum 17.Jahrhundert zu den wichtigen Familien. Das war aber auch in Italien und in Chiavenna der Fall.

In gab es vom 13.- bis zum 19.Jahrhundert immer Stampa. Sie gehörten zu den einheimischen Familien. Sie nahmen in der in der Stadt wichtige Positionen in der politischen Führung ein.
Andere einheimische Familien, wie die Pestalozzi, liessen sich im Bergell nur vereinzelt nieder. Sie blieben in Italien oder zogen direkt nach Chur und Zürich. Andere Bündner Familien, wie die von Salis, kamen später während der Herrschaft der Bündner als deren Vertreter nach Chiavenna. Sie waren bedeutend für die wirtschaftliche Entwicklung von Chiavenna.

Katholisch und Reformiert
Neben der politischen Tätigkeit waren die Stampa im Bergell und in Chiavenna verbunden mit dem Transport und dem Warenverkehr über die Alpen. Daher stammte zum Teil auch ihr Reichtum. In Chiavenna arbeiten sie zudem als Ärzte und Juristen. Die Bergeller waren tätig als Notare, im Handel und als Militärs in Europa.

Im Bergell wurden die Stampa reformiert. In Chiavenna blieben sie meistens katholisch. Ein Teil der Stampa aber, besonders jene, die mit dem Handel und dem Warentransport verbunden waren, verbündeten sich mit den Bündnern, besonders mit den Salis. Sie wurden Bündner, reformiert und liessen sich im Gotteshausbund nieder.

Die Stampa diesseits und jenseits der Grenze.
In den vergangenen Jahrzehnten wurde unbefangener über das Verhältnis zwischen dem Veltlin, der Grafschaft Chiavenna und den Bündnern geschrieben. Im Handbuch zur Bündnergeschichte schreiben neben Schweizern auch Italiener. In der Reihe "Clavenna", schreiben auch Bündner.
Das Buch des Deutschen Andreas Wendland , das die Geschichte des Veltlin und von Graubünden zu Beginn des 17.Jahrhunderts behandelt, kam auch auf italienisch heraus (siehe "Bücherwissen").

Für einen Gesamtüberblick zur Geschichte Graubündens ist das Handbuch der Bündner Geschichte von der Frühzeit bis zur Gegenwart in vier Bänden mit CD-Rom. Chur 2000, das ausführliche Einzelstudien enthält, unabdingbar.

Nach der Besetzung (1525) der Grafschaft Chiavenna durch die Bündner lassen sich im Gotteshausbund und in den Untertanenländer der Bündner (Chiavenna, Veltlin, Bormio) vier Gruppen von Stampa unterscheiden. sie haben dieselbe Herkunft, worauf das Wappen, das allen gemeinsam ist, hinweist.

1. Die Bergeller Stampa
Sie finden sich ab dem 13.Jahrhundert in Chur und im Bergell. Im Bergell in Stampa (Coltura, Borgonovo), Vicosoprano und Casaccia. Sie sind verbunden mit der Entstehung und dem Schicksal des Gotteshausbundes. Schwerpunkt ihrer Tätigkeit ist der Verkehr und der Transport über die Alpen. Wir finden als Soldunternehmer und im Kriegsdienst. Damit verbunden identifizieren sie sich mit dem politischen Schicksal des Bergells. Um ihren Einfluss zu sichern knüpfen sie ein Netz von Beziehungen und Standorten (Oberhalbstein, Engadin, Vintschgau, Zürich, Wien).

Die Stampa der Ciäsa Granda fallen im 16.Jahrhundert auf durch ihre Verbindung zu einem politisch-religiösen Netzwerkes, in deren Mittelpunkt wohl die Salis und Stuppen (alle im Kontakt mit Bullinger) von Promntogno stehen. Johannes Stampa verhandelt z.B. zusammen mit den reformierten Ständen Glarus, Schaffhausen und Zürich mit Sforza in Mailand für die Freihaltung der Septimer Strasse. Dionysius ist in frz.Diensten, Hans Dioniss, der an der Schola Tigurina studierte, nimmt u.a aktiv teil am Relgionsdisput in Piuro (1596).

Andere Bergeller Stampa finden sich im Handel (Chur, Zürich, Wien, Paris) und in Kriegsdiensten, z.B. für Frankreich, für Österreich.

2. Die Stampa in Chiavenna , orientiert nach Norden
Besonders jene aus den Speditions - und Transporthäusern orientierten sich im 17. und 18.Jahrhundert nach Norden und verbanden sich mit den Bündnern. Sie werden Pundtsgenossen. Sie schliessen sich der reformierten Gemeinde an, sind verbunden mit den Salis und ziehen im Laufe der Geschichte nach Graubünden (Chur, Fürstenau). In Chur zeugen das "Stampaguet", der "Stampagarten" und die Stampastrasse davon.
(vgl. Streiflicht: "Die Stampa aus Chiavenna ...)

3.Die Stampa, Stadtbürger von Chiavenna und direkt mit der Geschichte und dem politischen Schicksal von Chiavenna verbunden.
Vom 14. bis zum 20.Jahrhundert lebten Stampa im Chiavenna. Wir finden sie in den politischen Ämtern der Stadt. Unter ihnen finden sich bedeutende Politiker, Juristen, Notare, Ärzte, Fabrikanten, Juweliere. Promotor der Unabhängigkeit Chiavennas und Delegierter Chiavennas beim Wiener Kongress war Girolamo Stampa.

4. Die Stampa, durch ihren Beruf (Kanoniker, Erzpriester, Priester) eng verbunden mit der katholischen Kirche . Sie richten sich nach "Süden" (Bistum Como. Erzbistum Mailand, Rom) aus. Sie sind Gegner der Protestanten und damit des protestantischen Nordens und Graubündens. Crollolanza erwähnt in seiner Storia di Contado die Chiavenna, Milano 1867, s.208 einen Priester Vizenco Stampa, von dem es hiess "esser suo vivissimo desiderio di poter un giorno lavare le nude braccia nel sangue dei luterani."

Letzte Aktivität

Werner Trapp ist nun ein Mitglied von "Alpen-Stampa".
Juli 15
Stefan Schwarz (-Stampa) ist nun ein Mitglied von "Alpen-Stampa".
Februar 23
Es wurde eine Gruppe von Lorenz H.R. Stampa vorgestellt
Dem Hotel Bregaglia wurde ein Buch gewidmet."Das Hotel Bregaglia - ein Findling im Bergell". Hg.von Isabelle Rucki und Stefan Keller.
13. Oktober 2009
Lorenz H.R. Stampa hat den Link stefan keller: willkommen veröffentlicht.
Hier finden Sie Informationen zum Buch "Hotel Bregaglia - ein Findling im Bergell" und zur Vernissage vom 3.Oktober 2009 in Promontogno
13. Oktober 2009
 
 
 

Blüte Zeit der Stampa

Blüte der Stampa 14. - 16.Jahrhundert

Die wirtschaftlich und politisch herausragende Zeit der Bergeller Stampa war das 14, 15. und 16. Jahrhundert. Wir finden sie nicht nur in Chiavenna und im Bergell. Sie sind auch ansässig in Chur und Zürich, im Oberengadin(Zuoz), im Unterengadin (Schloss Tarasp. Dazu: Iso Müller, Die Herren von Tarasp, Disentis 1980). im Oberhalbstein (Bivio, Riom), im Vinschgau, in Bergün und in Rhäzüns (Herrschaft Rhäzüns und Hohentrins). Im Veltlin vertraten sie Graubünden in politischen Ämtern (als Landeshauptmann in Sondrio und als Potestaten in Trahona, Morbegno und Teglio. Dazu: Adolf Collenberg, die Bündner Amtsleute in der Herrschaft Maienfeld und in den Untertanenlanden Veltlin, Bormio und Chiavenna, Jahrbuch der Historischen Gesellschaft von Graubünden, Chur 1999 ). Sie traten hervor an der Calvenschlacht (Dazu: Freiheit einst und heute. Gedenkschrift zum Calvengeschehen, Chur 1999)

Im Bergell hatten sie 26 mal das Potestatenamt inne. Sie waren lange Jahre Inhaber des grossen Zolles im Bergell.

Nach der Frühen Neuzeit, nachdem der Septimer auch an Wichtigkeit verloren hat, wandern viele Bergeller, auch aus den Stampa Familien aus. Wie finden sie als Zuckerbäcker in verschiedenen Städten Europas. Vgl. dazu:
*Dolf Kaiser, Fast ein Volk von Zuckerbäckern, Zürich 1988.

*Dolf Kaiser, Neues von Zuckerbäckern aus Graubünden, Archiv für Familiengeschichtsforschung

März 2001, s.2.

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